Ficken sag ich selten
Sie fluchen, schimpfen, schreien, zucken unkontrolliert, geben die unmöglichsten Laute von sich, und das völlig unberechenbar und gerade auch in absolut unpassenden Situationen: Menschen, die unter dem sog. Tourette-Syndrom leiden. Aufgrund der sozialen
Unverträglichkeit ihres psychischen Leidens geraten die Betroffenen meistens in soziale Isolation und leiden daher immer mehr. Doch was kann man machen, wenn man selbst unter dem Tourette-Syndrom leidet? Und wie kann und soll man sich als Angehöriger oder sonstiger Mensch im sozialen Umfeld eines so Betroffenen verhalten? Bislang ist über diese seltene Krankheit vergleichsweise wenig Literatur erschienen. Umso willkommener dieses Buch, in dem der Autor beschreibt, wie die Symptome bei ihm begannen, welche Auswirkungen diese Krankheit auf seine gesamte Lebensplanung hatte und hat und was er unternommen hat und weiterhin tut, um sich Linderung zu verschaffen. Dieses Buch informiert über die Hintergründe und (sozialen) Konsequenzen dieser Krankheit. Es ist aber auch ein glühender Appell des Autors an seine Umwelt, ihm mit mehr Toleranz zu begegnen. - Ein solches Buch hätte schon längst geschrieben werden müssen; gut, dass dieses jetzt vorliegt. Für alle Bestände sehr zu empfehlen.
Günter Bielemeier
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Ficken sag ich selten
Olaf Blumberg
Ullstein (2013)
217 S.
kt.