Die Witwer von Chaltouva

Um den schwersten Witwer, eine auch in der Sieg anzutreffende Fischsorte, drehen sich in dem fiktiven Ort Chaltouva, nahe der Stadt Hennef gelegen, seit Jahrhunderten alle Machtspiele der Männer. Wer in einem zähen Ringen den schwersten Fisch angelt, Die Witwer von Chaltouva dem gehört schon seit den Konfessionskriegen und scheinbar bis heute, der ganzjährige Respekt des Dorfes – besser: der männlichen Dorfbewohner. Diese merken offensichtlich bei ihrem ganzen Gehabe nicht, dass nach der einstigen Bedeutung des Dorfes im 30-jährigen Krieg ihnen außer ihren Ritualen nichts mehr geblieben ist. Und noch mehr fällt ihnen nicht auf: Ihre Frauen haben sich längst von ihnen abgewandt und motivieren die Kinder bestmöglich, in der Ferne ihr Heil zu suchen. So versuchen manche im 19. Jh. als Soldaten ihr Glück bei den Kämpfen um Kolonien und kommen meist, wenn überhaupt, erschöpft und ausgezehrt heim. Und statt sich mit ihren meist handwerklichen Betrieben oder in der Landwirtschaft weiterzuentwickeln, frönen die Männer gewalttätigen, alkoholdurchtränkten, ekelerregenden Initiationsriten zur Aufnahme des männlichen Nachwuchses in die Riege der angeltauglichen Männer. Einem Liebespaar gelingt es, diesen scheinbar zeitlosen bösen Zauber zu durchbrechen. – Heuchert gelingt ein spannender Roman über allein auf Körperkraft beruhende männliche Dominanz. Erzählzauber und Sprachstärke bringen den Reflexionsunwilligsten zum Nachdenken und zur Frage, ob es solche Rituale auch im Hier und Heute noch gibt. Gerne empfohlen.

Rolf Pitsch

Rolf Pitsch

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Die Witwer von Chaltouva

Die Witwer von Chaltouva

Sven Heuchert
Ullstein (2026)

282 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 625202
ISBN 978-3-550-20265-0
9783550202650
ca. 23,99 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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