Stark wie ein Bär
Mit wenig Text - pro Seite eine Zeile - und herrlich einfachen, dafür umso eindringlicheren bunten Bildern zeigt die Künstlerin viele Facetten eines typischen Kindseins in seiner alltäglichen Umgebung: Ein Kind versucht über den engen Laufstall
zu klettern, um "frei wie ein Vogel" zu sein. Ein Mädchen ist ungemein schnell auf ihrem Roller unterwegs und fühlt sich "flink wie ein Wiesel" - daher setzt die Bilderbuchmalerin ein (imaginäres) Wiesel mit auf den Roller. Wenn ein Kind seine noch schlafenden Eltern an den Zehen wach zu kitzeln versucht, ist es "frech wie ein Dachs". Kinder, die intensiv ein Bilderbuch anschauen, verhalten sich "still wie Mäuschen". Ein Kind kann auch scheu, dick, hungrig, langsam, schmutzig, stumm, wild oder schlau sein - immer findet sich ein sprichwörtlich vergleichbares Tier, dem die entsprechende Eigenschaft nachgesagt wird und dieses Tier baut die die Illustratorin als Bildelement und Bedeutungsträger geschickt in die Szene ein. Diese lustigen Bilderfindungen kann man immer wieder gemeinsam anschauen und neue Assoziationsketten erfinden. Bei wiederholtem Anschauen merkt man immer deutlicher, wie die Bilderbuchkünstlerin die jeweiligen Befindlichkeiten trotz der starken zeichnerischen Vereinfachung genial getroffen hat, wenn man einen traurigen Gesichtsausdruck, einen Trotzkopf oder übermütigen Möchtegern sofort als solchen erkennt. Ein lustiges Schauvergnügen für alle!
Margit Pongratz-Luttner
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Stark wie ein Bär
Katrin Stangl
Carlsen (2011)
[16] Bl. : überw. Ill. (farb.)
fest geb.
Borromäus-Altersempfehlung: ab 3