Hüte
Auf unseren Straßen begegnen wir Menschen mit Fahrradhelmen, Kopftüchern oder Baskenmützen – aber Papachas, Chullos oder Hundsgugel bekommen wir nur selten zu sehen. Wie vielfältig Kopfbedeckungen sein können, wird uns in diesem großen Bilderbuch
an 60 augenfälligen Beispielen dargebracht. Die Hüte und Mützen, Kappen und Kronen, Kränze, Tücher und Federreifen haben ihre Funktion im Schutz, in der Zierde oder der Repräsentation. Religiöse Bräuche und Zeremonien spielen eine Rolle, ebenso das Alter und das Geschlecht der Träger. Jede dieser uns bekannten oder exotisch anmutenden Kopfbedeckungen wird abgebildet und in einem Text beschrieben. So erfährt man bspw., dass der Lardil-Tanzhut als heiliges Objekt eine Verbindung zu den Vorfahren der Träger herstellt. Der Bommel einer Pudelmütze war tatsächlich als Stoßdämpfer für die Seeleute in den beengten Schiffsräumen gedacht. Und die Symbolkraft der Aluhüte wurde innerhalb kürzester Zeit diametral verändert. Hier wird also viel nützliches und auch unnützes Wissen aus der Modewelt geboten, man liest eine heiter erzählte Kulturgeschichte des menschlichen Bedürfnisses nach Schutz, Selbst-Darstellung oder Spiritualität. Hervorzuheben sind die Illustrationen: die holzschnittartigen Ölpastelle nehmen die Objekte zeichenhaft und in leuchtender Farbenpracht auf; die Bilder changieren zwischen Detailversessenheit und grober Abstraktion. Die Lektüre ist so lehrreich wie unterhaltsam und vergnüglich – wie schön, dass dieses Bilderbuch mit einem Preis ausgezeichnet wurde. Chapeau!
Dominique Moldehn
rezensiert für den Borromäusverein.
Hüte
Karen Exner
Carlsen (2024)
[unpaginiert] : farbig
fest geb.
Borromäus-Altersempfehlung: ab 5