Der Glücksfinder
Im ersten Teil des Romans erzählt der junge Hamayun aus seiner noch etwas naiv-kindlichen Sicht die Geschichte einer höchst gefährlichen und zermürbenden Flucht aus dem von den Taliban terrorisierten Afghanistan. Hamayuns Vater, ein "frei denkender"
Mann, war mit seiner Familie zunächst von Mazar-e-Sharif nach Kabul geflohen. Dies ändert freilich an der prekären Lage der Lehrerfamilie wenig, denn eines Tages wird Hamayuns Vater ins Gefängnis gesteckt. Als er endlich freikommt, enden die Schikanen keineswegs und so reift der Entschluss, das Land wenigstens mit einem Teil der Familie zu verlassen. Endlich in den Niederlanden angekommen, glaubt Hamayun alles überstanden zu haben. Und zunächst scheint sich tatsächlich alles zum Guten zu wenden. Die Lehrerfamilie bekommt eine Wohnung in einem Asylbewerberheim zugewiesen, Hamayun darf die Schule besuchen, schließt Freundschaften und verliebt sich. Erst allmählich wird ihm klar, dass die Odyssee seiner Familie keineswegs zu Ende ist. Denn während sich der Junge immer mehr in seiner neuen Heimat einrichtet, beginnen die langwierigen, äußerst belastenden Prüfungsverfahren um die Asyl- bzw. Aufenthaltsberechtigung der Familie. Am Ende des Romans ist Hamayun 17 Jahre alt und noch immer ist sein Schicksal und das seiner Familie nicht endgültig entschieden. - Der packende, sehr anschaulich, detailgetreu und plastisch erzählte Roman beruht auf dem realen Erleben Elman Anoushs. Dieser wurde 1989 in Kabul geboren und lebt seit acht Jahren als afghanischer Flüchtling in den Niederlanden. Ein Buch, das nicht anklagt, aber zum Nachdenken über das Flüchtlingsproblem anregt. (Übers.: Rolf Erdorf)
Der Glücksfinder
Anoush Elman ; Edward van de Vendel
Carlsen (2011)
460 S. : Ill.
kt.