Meine geniale Freundin

Die beiden Freundinnen Elena und Lila wachsen in ärmlichen Verhältnissen auf. Der graue Wohnblock in einem Vorort von Neapel und der autoritäre Erziehungsstil ihrer Eltern sind nicht geeignet, den Mädchen Geborgenheit und Anerkennung zukommen zu Meine geniale Freundin lassen. Umso enger ist ihre Bindung zueinander, doch mit dem Eintritt Elenas ins Gymnasium spielt auch Rivalität zwischen ihnen eine immer größere Rolle. Der erste Teil der so populären neapolitanischen Saga "Meine geniale Freundin" liegt hier als Comic-Adaption vor. Die Illustrierung gibt der Erzählung um die fragile Freundschaftsbeziehung, die so prekären sozialen Verhältnisse und auch um die gewaltreiche männliche Dominanz im Italien der 50er-Jahre eine filmische Anmutung. Es sind die Erinnerungen Elenas an die dunklen Jahre der Kindheit und Jugend, die sich hier in unklaren, verwaschenen Zeichnungen präsentieren. Viele Detailaufnahmen und Bildfragmente setzen Spots, die die Betrachter auffordern, die Bilder gedanklich zu komplementieren. Die sanfte Farbigkeit belegt das Geschehen als Erinnerungsleistung. Besonders schön gelingt das in den Porträts, bei denen der poröse Malgrund noch durchschimmert. Die Fragilität dieser Gedankenbilder gibt dieser Erzählung ein Surplus, was den eher spröden Text mit Atmosphäre anreichert. Hier wird eine Italien-Ansicht entworfen, die – weit entfernt vom nostalgischen Sehnsuchtsbild – dem Neorealismus des italienischen Kinos verpflichtet ist.

Dominique Moldehn

Dominique Moldehn

rezensiert für den Borromäusverein.

Meine geniale Freundin

Meine geniale Freundin

Chiara Lagani ; Mara Cerri ; nach dem Roman von Elena Ferrante ; aus dem Italienischen von Myriam Alfano
Carlsen Comics (2023)

254 Seiten : farbig
fest geb.

MedienNr.: 614627
ISBN 978-3-551-71085-7
9783551710857
ca. 26,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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