Der Schatten
In loser Folge interpretieren in der kleinformatigen Reihe "Die Unheimlichen" des Carlsen-Verlages Comiczeichner alte und neue Schauergeschichten. Nun hat sich Aike Arndt der düsteren, Mitte des 19. Jahrhunderts vom dänischen Märchenerzähler Hans
Christian Andersen verfassten Parabel "Der Schatten" angenommen und in die heutige Zeit übertragen. Nach einer erfolgreichen Lesereise will sich ein namenloser Schriftsteller für ein paar Wochen im sonnigen Süden entspannen. Eine geheimnisvolle Melodie lockt ihn abends auf den Balkon seiner Unterkunft und er beauftragt seinen Schatten, das Geheimnis zu lüften. Fortan schattenlos, wird der Schriftsteller blass und farblos und gerät "als Schatten seiner selbst" in einen gesellschaftlichen und sozialen Abstieg, bis er eines Tages von seinem Schatten erfährt, dass in dem Haus gegenüber die Freiheit wohnte, die er selbst nicht gesucht hat. Die gekonnt in Bilder umgesetzte, tiefsinnige Erzählung um den Verlust der eigenen Identität bedarf einer anspruchsvollen Leserschaft und ist deshalb erst für ältere Jugendliche (und Erwachsene) als Lektüre sinnvoll. Ab mittelgroßen Beständen möglich.
Siegfried Schmidt
rezensiert für den Borromäusverein.
Der Schatten
Hans Christian Andersen ; Aike Arndt
Carlsen (2021)
Die Unheimlichen ; Band 9
55 Seiten
fest geb.