Der Kartograph
Als Spaziergänger bewegte sich Ino Tadataka durch Edo, er zählte seine Schritte, vermaß die Wege und stellte schließlich ein umfangreiches Kartenmaterial Japans zu Beginn des 19. Jahrhunderts zusammen. Diese Graphic Novel erzählt in 15 Kapiteln
vom Werk dieses Mannes, der zählend, beobachtend und teilnehmend durch die Straßen der Städte und Dörfer schreitet. Er wird dabei als disziplinierter und konzentrierter Arbeiter beschrieben und dieses Menschenbild charakterisiert noch heute unseren Blick auf Japan. Das Ausgesetztsein in der Natur und die Erlebnisse in der damaligen Großstadt Edo finden Eingang in die kleinformatigen Panels; doch mitunter weitet sich der Blick des Kartographen auch zu großartigen Panoramen. Hier ist der Anklang an die Kunst dieser Zeit (sei es von Hiroshige oder Hokusai) deutlich zu spüren. Die Dialoge binden diese Szenen jedoch zusätzlich in den städtischen und bäuerlichen Alltag ein und erlauben dem Leser ein differenziertes Bild auf das alte Japan in seiner kulturellen und wissenschaftlichen Blütezeit.
Dominique Moldehn
rezensiert für den Borromäusverein.
Der Kartograph
Jiro Taniguchi
Carlsen (2013)
Graphic Novel
215 S. : überw. Ill. (z. T. farb.)
kt.