Merel

Lokalderbys, Geflügelschauen und Hochzeiten sind die Höhepunkte des Dorflebens. Merel ist überall gern gesehen, auch wenn sie im Vergleich zu den anderen Dorfbewohner:innen ein unkonventionelles Leben führt. Sie bewohnt allein einen Hof mit Tieren, Merel hat einen jüngeren Freund und scheint zum Glücklichsein nicht viel zu brauchen. Doch gerade diese Ungebundenheit wecken Neid und Missgunst. Schließlich wird gegen sie eine Spirale der Gewalt in Gang gesetzt, der sich Merel kaum gewachsen fühlt. Der ruhige Trott des Landlebens, in das Konflikte einbrechen, welche kaum einzudämmen sind, wird in dieser Graphic Novel breit eingefangen. Im Stil der Ligne claire werden das Figurenrepertoire und die ländliche Umgebung skizziert. Dabei setzen die Zeichnungen auf eine Offenheit, die der Psychologisierung der Geschichte zuarbeitet. Die Fußballfreunde, Dorffrauen, die pubertierende Jugendgang, ja sogar die Hauptfigur selbst werden in ihren Wesenszügen nicht ausgemalt, was die Betrachter zu eigenen Charakterisierungen und Interpretationen herausfordern wird. Dass eine so emanzipierte Frau zum Opfer von Mobbing wird, kann vor dem Hintergrund der Dorfgemeinschaft erklärt werden. Aber auch Auswege aus dem Konflikt werden aufgezeigt, was diese Story zu einem versöhnlichen Ende führt. Das eher ungewöhnliche Setting erscheint somit als sehr plausibler Rahmen, in dem die Ursachen von Gewalt ausgeleuchtet werden und über mögliche Lösungen nachgedacht werden kann.

Dominique Moldehn

Dominique Moldehn

rezensiert für den Borromäusverein.

Merel

Merel

Clara Lodewick ; aus dem Französischen von Christiane Bartelsen
Carlsen Comics (2024)

[unpaginiert] : farbig
fest geb.

MedienNr.: 617776
ISBN 978-3-551-75508-7
9783551755087
ca. 26,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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