Ihr Name war Tomoji

Vor etwa 100 Jahren wuchs Tomoji Uchida im ländlichen Japan auf in einem den Traditionen eng verbundenen, liebevollen Haushalt. Trotz Schicksalsschlägen (Tod von Vater und Schwester und dem Weggang der Mutter) bleibt sie selbstbewusst und gleichzeitig Ihr Name war Tomoji demütig und respektvoll. Das harte Leben und der liebevolle Rückhalt durch ihre Familie geben ihr die Kraft, als religiöse Führerin zusammen mit ihrem Mann einen buddhistischen Tempel zu gründen. Die Geschichte führt den Leser tief in die traditionelle Kultur Japans, deren Spuren noch heute in ländlichen Regionen zu finden sind. Dabei wird die strenge Erziehung nicht als einengend, sondern eher als stützend dargestellt. Wie für Mangas typisch, enthalten unscheinbare Details wichtige Symbole und verlangen eine fast meditative Auseinandersetzung mit den Bildern. Die laden durch ruhige Linienführung und einen gelassenen Erzählstil förmlich dazu ein, diesem kontemplativen Weg zu folgen. Für den westlichen Leser ist auf den ersten Blick dieser Weg durch die Kultur des asiatischen Landes fremd. Auf den zweiten Blick verbergen sich in der Umsetzung durch den Künstler Wahrheiten, die auch bei uns Gültigkeit haben. Das gilt auch für die Auseinandersetzung mit der Religion. Obwohl es hier um Buddhismus geht, ist es vor allem die Kraft, die von einem spirituell geprägten Leben ausgeht, die über alle Grenzen hinweg für das menschliche Leben gilt. Der empfehlenswerte Band wird möglicherweise Probleme haben, bei uns Interessenten zu finden, da er nicht das mangatypische Publikum anspricht.

Lotte Schüler

Lotte Schüler

rezensiert für den Borromäusverein.

Ihr Name war Tomoji

Ihr Name war Tomoji

Jiro Taniguchi
Carlsen (2016)

Graphic novel
183 S. : überw. Ill. (z.T. farb.)
kt.

MedienNr.: 584711
ISBN 978-3-551-76104-0
9783551761040
ca. 16,90 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
Diesen Titel bei der ekz kaufen.