Der Passagier der Polarlys
Eine ausgelassene Party in Paris 1932 endet mit dem Tod einer zufälligen Besucherin durch Morphium. Kurz darauf legt der Frachtdampfer Polarlys von Hamburg in Richtung der norwegischen Stadt Kirkenes ab. Den Kapitän beschleicht angesichts der Besatzung
und der Passagiere ein ungutes Gefühl. Für einen erkrankten Maschinisten springt ein selbstbewusster ehemaliger Gefängnisinsasse ein, der holländische Dritte Offizier erweist sich als wenig kompetent und ein Passagier verschwindet kurz nach dem Ablegen spurlos. Nachdem ein angeblicher Pelzhändler noch kurzfristig an Bord gelangte, findet man ihn später ermordet auf. – José-Louis Bocquet und Christian Cailleaux adaptierten erstmals einen Non-Maigret-Roman von Georges Simenon, der in der Übergangsphase zwischen den Groschenromanen und den stärker psychologisch angelegten Werken des meisterlichen Vielschreibers entstand. Auf den Spuren klassischer Detektivliteratur setzt der spannend angelegte Rätselkrimi auf falsche Identitäten und Fährten, verhängnisvolle Allianzen und eine überschaubare Anzahl an Verdächtigen in einem Locked-Room-Mystery. Cailleaux baut auf eine düstere Atmosphäre in monochromer Farbgebung und Personen mit dunkel schattierten Augenpartien. Ein ausführliches Nachwort informiert über Simenons frühe Romane. Weitere Adaptionen sollen folgen. Ein Tipp für alle Bestände.
Gregor Ries
rezensiert für den Borromäusverein.
Der Passagier der Polarlys
Georges Simenon ; José-Louis Bocquet (Szenario) & Christian Cailleaux (Zeichnungen) ; aus dem Französischen übersetzt von Christoph Haas
Carlsen Comics (2025)
79 Seiten : farbig
fest geb.