Wohllebengasse
Als die Nazis beginnen, die Juden im annektierten Österreich zu schikanieren, fliehen viele Wiener Juden ins Ausland. Auch Gretl und Käthe Gallia gelingt es, mit Gretls Tochter Annelore nach Sidney auszureisen. Sie gehören zu einer der reichsten
Familien und sie nehmen eine der größten und wichtigsten Sammlungen von bedeutenden Kunstwerken der Jahrhundertwende mit. Ihre Eltern Hermine und Moritz verkehrten mit den bekanntesten Künstlern der Wiener Szene des Fin de siècle, u.a. mit Gustav Mahler, Carl Moll, Egon Schiele. Gustav Klimts Porträt von Hermine Gallia ist eines seiner berühmtesten Bilder. Tim Bonyhady, der Sohn von Annelore Gallia, hat enorm viele Einzelheiten über seine Familie zusammengetragen und erzählt anhand von erhaltenen Dokumenten sehr ausführlich über das Leben in der Wiener Wohllebengasse und das Leben im Exil. Für kunsthistorisch versierte Leser vielleicht noch am ehesten interessant, ansonsten in der Detailfülle, die sich oft weniger auf die Charaktere der Menschen, als vielmehr auf die Umstände bezieht, schnell ermüdend. Für ausgebaute Bestände.
Ulrike Braeckevelt
rezensiert für den Borromäusverein.
Wohllebengasse
Tim Bonyhady
Zsolnay (2013)
447 S. : Ill.
fest geb.