Später Ruhm
Am Ende eines langen, mehr oder weniger erfolglosen Schriftstellerlebens wird Eduard Saxberger von einem ihm bis dahin unbekannten jungen Verehrer seines Werks angesprochen. Von diesem jungen Unbekannten wird er eingeladen, einmal aus seinem Gedichtband
"Wanderungen" vor anderen jüngeren Schriftstellern zu lesen. Von dieser späten, aber noch nicht zu späten Anerkennung ist Saxberger zunächst sehr überrascht, später dann genießt er diesen Ruhm bei den jüngeren Schriftstellern immer mehr. "Die Begeisterten", so der Name der Gesellschaft junger Wiener Schriftsteller, plant eine öffentliche Akademielesung, auf der auch neue Werke von Saxberger von einer jungen Rezitatorin vorgetragen werden sollen. Der alte Schriftsteller fühlt sich durch dieses Vorhaben sehr geehrt, bemerkt aber bald, dass es ihm nicht mehr gelingt, die gewünschten 'neuen Gedichte' zu liefern. Er muss schmerzhaft seine Grenzen erkennen, und die jungen Verehrer seines Werks beginnen langsam auf Distanz zu dem 'greisen Dichter' zu gehen. Für alle endet diese anfangs so euphorisierte Freundschaft zwischen jungen Literaten und dem Vertreter der 'alten Wiener Schriftstellerkultur' in einer traurigen Desillusion. - Dieses frühe Werk Arthur Schnitzlers war jahrzehntelang unbekannt und ist erst jüngst in seinem Nachlass gefunden worden. Man wünscht dieser tragisch-komischen, milde melancholischen Novelle über den scheinbar noch einmal goldenen Herbst eines alten Schriftstellers viele Leser.
Carl Wilhelm Macke
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Später Ruhm
Arthur Schnitzler
Zsolnay (2014)
156 S.
fest geb.