Yemen Café
Jonathan Schmidt arbeitet in Sana'a (Jemen) als Chef der Chirurgie in einem privaten Krankenhaus, in dem vor allem Ausländer und jemenitische Regierungsbeamte behandelt werden. Als er Verstärkung von einem deutschen Arzt erhält, ist er fasziniert
von dessen Frau Susanna, die einem Flirt nicht abgeneigt ist. In Gedanken spricht Jonathan jedoch oft mit Delphine, mit der er während seiner Zeit in Äthiopien zusammen war. Vom kriegsgeplagten Jemen sieht er wenig. Unterdessen sucht der Dialysepfleger Hassan verzweifelt nach seinem verschwundenen Bruder Khalil, der vermutlich für einen Huthi-Rebellen gehalten und verhaftet wurde. Als ihm Abdul Kontakt zu Khalil im Tausch gegen sicherheitsrelevante Informationen verspricht, sieht sich Hassan in einem Gewissenskonflikt. Jonathan dagegen rechtfertigt seine Arbeit im Krankenhaus moralisch damit, dass er Menschen operiere, nicht korrupte Politiker. Damit kommt er aber bei der Menschenrechtsaktivistin Katie, in die er sich schließlich Hals über Kopf verliebt, nicht durch. - Kaum gekennzeichnete direkte Rede, assoziativ verbundene Sätze und einige österreichische Vokabeln machen die Lektüre ein wenig mühsam. Auch wenn Jonathans "Beziehungen" im Vordergrund stehen, erfährt man einiges über die Situation 2010 im Jemen. Bei Bedarf ab mittleren Beständen möglich.
Barbara Sckell
rezensiert für den Borromäusverein.
Yemen Café
Evelyn Schlag
Zsolnay (2016)
365 S.
fest geb.