Das Spiel der hundert Blätter
20 Jahre sind seit dem Fall des Sozialismus vergangen und immer noch ist unklar, wie Luca auf der Flucht ums Leben gekommen ist. Gemeinsame Schul- und Studienzeit und die Arbeit in einer mittlerweile stillgelegten Maschinenfabrik haben ihre Jugend
geprägt. Ihr "Spiel der 100 Blätter" war ein herbstlicher Wettbewerb, bei dem es um das weiteste Vorankommen mit den ausgelegten Blättern ging. Die Vergangenheit wirkt in die mehr oder weniger gescheiterte Gegenwart nach: Tili ist Namensfinder für Puppen, Jenica verkauft widerwillig Lose und Maca ist immer auf dem Motorrad unterwegs. Das scheint traurig zu sein, wird aber immer wieder mit Poesie und Fantasie aufgelockert. Früher und heute gehören zusammen und wirken nach. Der sprach- und bildgewaltige Roman verdient eine Empfehlung für literarisch interessierte Leser ab mittleren Beständen. (Übers.: Ernest Wichner)
Michael Müller
rezensiert für den Borromäusverein.
Das Spiel der hundert Blätter
Varujan Vosganian
Zsolnay (2016)
222 S.
fest geb.