Der größte Fall meines Vaters
Polizeipräsident a. D. Mudroch besteht auch im Alter von neunzig Jahren noch darauf - wenn auch im Rollstuhl - das Haus nur in seiner alten Ausgehuniform zu verlassen. Ihm und seiner Tochter Lara werden nicht nur die allwöchentlichen Spaziergänge
zur Gewohnheit, sie kommen sich auch dadurch näher, dass sie den größten Fall Mudrochs noch einmal Revue passieren lassen. In den 1950er Jahren hatte er eine Doppelmörderin überführt, an die er sich bei jeder blauäugigen Frau, der er begegnet, nach wie vor erinnert. Durch die Gespräche mit dem Vater über den alten Kriminalfall erfährt Lara, wie sehr dieser Fall das Eheleben ihrer Eltern beeinflusst hat. - Beckers Roman ist eine Reise in die sozialistische Vergangenheit der Slowakei und gleichzeitig die sensible Schilderung einer Vater-Tochter-Beziehung. Dabei entwirft sie glaubwürdig Charaktere, deren Gegenwart noch maßgeblich durch vergangene Ereignisse mitbestimmt wird.
Adelgundis Hovestadt
rezensiert für den Borromäusverein.
Der größte Fall meines Vaters
Zdenka Becker
Deuticke (2013)
218 S.
fest geb.