Engel des Verschwindens

Ein zweistöckiges Haus in Zagreb ist der Schauplatz dieses Geschichtsepos von Slobodan Snajder. Der 1948 in Zagreb geborene Autor und Dramatiker wurde mit seinem Theaterstück „Der Kroatische Faust“ bekannt. In seinem dritten Roman lässt er von Engel des Verschwindens besagtem Haus die wechselvolle Geschichte der Region erzählen. Es holt aus bis zur Pest im Jahr 1563. Die Hauptstationen konzentrieren sich auf die Jahre 1941, 1945 und 1991. Anhand seiner Bewohner berichtet „das Haus“ von den Revolutionen des 20. Jh., von der NS-Zeit bis zum Verfall Jugoslawiens. Hauptfigur ist das Dienstmädchen Anda Berilo, zu Beginn 18 Jahre alt. Sie verliebt sich in den Kommunisten Bosko, der sie zu einer Partisanin macht. Weitere Bewohner sind der zu Mussolini übergelaufene Nationalrevolutionär Mile Drenjak, der tuberkulosekranke Professor Marko Gavrani und die Geisterbeschwörerin Anastazija Blavatsky. – „Das Haus“ tritt sehr geschwätzig auf und holt weit aus, es kennt die Träume seiner Besucher, spricht in magischen Bildern, Symbolen und Allegorien. Das liest sich oft witzig, ist aber teilweise für deutsche Leser nur ansatzweise zu verstehen. Die Übersetzer geben zwar Hinweise zu historischen Figuren und Ereignissen in Fußnoten, doch vieles bleibt schwer zu deuten. – Der Roman ist durch die plastisch geschilderten Personen gut lesbar, ist aber keine leichte Kost.

Karin Blank

Karin Blank

rezensiert für den Borromäusverein.

Engel des Verschwindens

Engel des Verschwindens

Slobodan Šnajder ; aus dem Kroatischen übersetzt von Matthias Jacob und [einer weiteren]
Paul Zsolnay Verlag (2026)

489 Seiten : Illustrationen
fest geb.

MedienNr.: 624606
ISBN 978-3-552-07505-4
9783552075054
ca. 28,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
Diesen Titel bei der ekz kaufen.