Bruckner
Rüdiger Görner, Literatur- und Kulturwissenschaftler, beweist mit seiner Bruckner-Biografie, wie sehr Einfühlung in ein uns heute befremdliches Leben aus Eigenbrötlertum und Minderwertigkeitsgefühlen mit der genauen Schilderung von Hörempfinden
und Kompositionsstil des Meisters der Spätromantik einhergehen können. Sprachgewandt und die zentralen Linien des Lebens dieses ewigen Junggesellen plastisch darstellend – vom Organisten aus der Provinz zum einzigartigen Symphoniker – zeigt Görner seine Gabe, die Leser:innen zu fesseln. Nun wird freilich eher der Musikfreund an diesem Buch großes Gefallen finden, da ein tieferes psychologisches Porträt oder gar eine literarisch aufgelockerte Erzählhaltung fehlen, wie sie Christian Schacherreiter in seiner Roman-Biografie (BP/mp 24/1016) zu Bruckner wählte. Hinzu kommen kleine biografische Ungenauigkeiten, die den Leseeindruck jedoch nicht trüben. „Vermeintliche Lebensleere traf in ihm [Bruckner] auf unbestreitbare Kunstfülle“ – allein diese Einsicht des Autors empfiehlt das Buch für alle Bestände und besonders den Musikfreunden.
Helmut Krebs
rezensiert für den Borromäusverein.
Bruckner
Rüdiger Görner
Paul Zsolnay Verlag (2024)
380 Seiten
fest geb.