Uppercut

Die Ich-Erzählerin dieses Debütromans von M. Iskra ist eine junge Frau, die in Wien lebt und liebt. Sie erinnert sich in Rückblenden an ihre Kindheit in Belgrad der 1990er-Jahre. Der Krieg ist hier fast nur als ein Hintergrundgeräusch wahrnehmbar. Uppercut Doch das Leben zu Hause, wo sie gegen die Gewalt ihres Vaters kämpft, ebenso wie auf der Straße im Belgrader Stadtteil Dorcol und in der Schule ist hart und brutal. Wer sich behaupten will, muss schnell und hart zuschlagen können, auch die Mädchen. Aber sie versöhnen sich auch immer wieder, lernen einander zu respektieren und zu ermutigen. Sie geben, trotz all der unmenschlichen Umstände, nicht auf! – In eindringlichen, rasant wechselnden Szenen werden die Lesenden in diese rückblickenden Szenarien mitgenommen. Dabei ist das Gute und Schöne in diesem Roman keine "Streetfighter-Romantik", kein Robin-Hood-Kitsch. Es ist die helle Seite einer Medaille die, neben der Brutalität, Augenblicke voller Zärtlichkeit bereithält. Der Lesende erlebt beim Einsammeln der Belgrader Erinnerungssplitter, die sich oft als eigenständige Geschichten erfahren lassen, eine Protagonistin, welche zwischen Trauma und Nostalgie schwingt. Ein anspruchsvoller Roman, mit großer, intensiver Wirkung. Man fragt sich, wie es möglich ist, als Mädchen, als junge Frau in einer solchen Gesellschaft groß zu werden. Wer sich mit dem Thema des Bosnienkrieges auseinandersetzen möchte, hat hier eine ungewöhnliche Zugangsweise, die das eigentliche Kriegsgeschehen nur am Rande aufblitzen lässt. Büchereien mit geschichtlich interessierten Lesern und Leserinnen empfohlen.

Silvia Eilers

Silvia Eilers

rezensiert für den Borromäusverein.

Uppercut

Uppercut

Maja Iskra ; aus dem Serbischen von Mascha Dabic und [einer weiteren]
Paul Zsolnay Verlag (2026)

155 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 624608
ISBN 978-3-552-07573-3
9783552075733
ca. 23,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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