Im Schatten der blauen Pferde
Maximilian Kisch ist Universitätsprofessor, Kunstsachverständiger und Provenienzforscher, eine Sache beschäftigt ihn sein ganzes Leben: Wo ist das Bild "Der Turm der blauen Pferde" des 1916 bei Verdun gefallenen Malers Franz Marc? Seine Suche führte
ihn schon quer durch Europa und die USA; bisher waren seine Anstrengungen allerdings vergeblich. Mit größter Wahrscheinlichkeit ging das Gemälde in den Wirren des Kriegsendes 1945 verloren, wurde wahrscheinlich zerstört. Es gibt aber Hinweise, dass es Widerständler gegen das Naziregime geschafft hatten, diverse als entartete Kunst aussortierte Werke illegal zu exportieren, v.a. in die USA. Kisch will in Los Angeles ein letztes Mal seine Suche fortsetzen. - Der Autor, bisher in fachlichen Kreisen durch seine kunstgeschichtlichen Veröffentlichungen bekannt, hat einen Erstlingsroman geschrieben, der die bekannten Fakten v.a. um die "entartete Kunst", wie sie die Nazis bezeichneten, berücksichtigt, aber auch viel Fiktives beinhaltet. Und das immer da, wo die belegbaren Tatsachen fehlen. Es gibt ständige Wechsel von der Gegenwart in die Vergangenheit, in die Weimarer Republik und in die Nazizeit. Und es treten viele Nazigrößen auf, angefangen von Hitler und seiner Entourage bis zu bekannten und auch fiktiven Widerständlern. In Kalifornien treten prominente Schauspieler, Autoren, Musiker auf, wie Marlene Dietrich, Erich Maria Remarque, Stokowski, von Sternberg und andere. Man erfährt viel über die sog. entartete Kunst, die z.B. Göring insgeheim für sich abzweigt, um sie für teures Geld in die USA zu verkaufen. Ein gefälliges, informatives, leicht lesbares Buch, das sicher sehr gut einsetzbar ist.
Erwin Wieser
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Im Schatten der blauen Pferde
Uwe Fleckner
C.Bertelsmann (2023)
366 Seiten
fest geb.