Es könnte so einfach sein
Vera (*1940) und Leo wachsen im Münsterland auf zwei benachbarten Bauernhöfen auf und wollen beide die Hofnachfolge nicht antreten. Vera erlernt den Sekretärinnenberuf in einem Münsteraner Verlag, springt bald zusätzlich für den ausgewanderten
Autor von Groschenromanen ein und Leo restauriert als Tischler alte Möbel. Während er vor allem seine oft nicht zahlenden Kunden glücklich macht, entwickelt sich aus ihr die Starautorin mit wachsenden Auflagen, bald eigenständigen Romanen. Dass sie kinderlos bleiben und Vera auch bei einem Münchener Belletristikverlag nur unter ihrem männlichen Pseudonym publizieren kann, bleiben die Herausforderungen, die sie durch die Zuwendungen zu zwei Nichten und einen furiosen Buchmesseauftritt bei einem Dennis Scheck ähnelnden Literaturkritiker meistern. Ein neuer Verlag und Leos Wechsel in die haushaltführende, der Frau den Rücken freihaltende und mit Stichworten aushelfende Rolle bringen die Wende. Ob es mit dem 65. Geburtstag, dem Abschluss des 30. Erfolgsromans wirklich den gemeinsam vereinbarten Start in ein gemeinsames Ruhestandsleben gibt, bleibt offen. – Der spannende Erstling des sich hinter dem Pseudonym Anne Handorf verbergenden Autorenduos Carla Grosch und Volker Jarek bietet einen zeitgemäßen Blick in die lange männerdominierte Literaturbranche, in der die beiden auch beruflich tätig sind. Breit einsetzbar.
Rolf Pitsch
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Es könnte so einfach sein
Anne Handorf
C.Bertelsmann (2025)
320 Seiten
fest geb.