Die Kunst des Friedens
Der Orientalist Daniel Gerlach widmet sich einem raren Aspekt: den stillen Techniken des Deeskalierens im Nahen Osten. Diese tragen für den Autor eine eigene Handschrift, sind mit dem Wort Diplomatie nur unzureichend gefasst. Statt große Friedensabkommen
zu feiern, lenkt er den Blick auf jene unscheinbaren Routinen, mit denen Konflikte seit Jahrhunderten niedrig gehalten werden und Gesprächsräume geöffnet bleiben. Das Buch überzeugt vor allem durch seine beeindruckende Menge an historischen Details, die das Bild westlicher Leser vom stets gewaltbereiten, chaotischen Nahen Osten hinterfragen. Mit kritischem Blick auf die Europäer meint Gerlach, dass ein großer Teil der Aggression aus dem Westen gekommen sei, von den Römern über die Kreuzritter bis zu den Kolonialmächten. Was auch für den Palästinakonflikt gelte, bei dem Gerlach für eine modifizierte Zwei-Staaten-Lösung plädiert, eher auf gemeinsame Wirtschaftsinteressen der Kontrahenten setzt denn auf klassische Grenzziehungen. Einige von Gerlachs Lösungsvorschlägen für einen Interessensausgleich in der Region erstaunen, wirken gar idealisiert. So sieht er in einer verschütteten, wieder freizulegenden, Friedensbotschaft des Islams eine Schlüsselressource für eine stabilere Zukunft im Nahen Osten. – Alles in allem aber hebt sich das Werk ab mit einem wohltuenden, versöhnlichen Grundton. Ein frischer Blick auf die Konfliktregion Naher Osten.
Werner Wagner
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Die Kunst des Friedens
Daniel Gerlach
C.Bertelsmann (2025)
351, [16] Seiten : zahlreiche Illustrationen (farbig), Karten
fest geb.