Fuck perfection
"Selbstoptimierung ist ein geschlossenes System, ein gnadenloser, selbst vergessener Ritt den Berg hinauf, in die gleiche Richtung" (S. 198). Dauernde Selbstkontrolle in allen Bereichen wird von uns verlangt, wir checken, ob wir nicht noch perfekter
sein können. Dabei sind wir stets guter Laune, denn wir können alles, wenn wir nur wollen. So kreisen wir unaufhörlich um uns selbst und um das Ziel des perfekten Lebens. Der Autor wendet sich gegen diese Art von "Alltagsnarzissmus" und "Gute-Laune-Diktatur". Acht Bereiche, darunter Beruf, Beziehung, Gesundheit, hinterfragt er in Selbstversuchen. Wie lebt es sich ohne Uhr, ohne Computer oder wie fühlt es sich an, einen ganzen Tag lang über alles zu jammern? Am Ende stellt sich heraus, dass wir nicht alles können, was wir wollen, ja, kein Recht darauf haben (S. 234), aber wir müssen auch nicht. Außer uns erwartet es niemand. Ein bewusst provozierender Titel, ein Appell gegen den Selbstdarstellungszwang. Eine gute Ergänzung für zeitgeistkritische Leser/innen.
Karola Bartel
rezensiert für den Borromäusverein.
Fuck perfection
Patrick Batarilo
Riemann (2016)
256 S.
kt.