Der stumme Pianist

2005 stand in allen europäischen Zeitungen die Nachricht, dass an der englischen Küste ein orientierungsloser Mann aufgegriffen wurde, der stumm war und sich dann als glänzender Pianist entpuppte. Wir haben aus den Medien (wohl) nicht mehr erfahren, Der stumme Pianist wie es mit ihm weitergegangen ist, aber die italienische Autorin Paola Caprioli (*1962) erzählt in diesem spannenden und anrührenden Roman von seinen Tagen und Wochen, die er in einer Nervenheilanstalt an der Küste verbracht und am Flügel im Wintergarten alle Insassen mit seiner Kunst fasziniert hat. Nadine, die farbige Pflegerin, hat ihn mit Schrecken voller Dreck im Küstensand entdeckt und gerettet und kümmert sich in seinem einsamen Krankenzimmer liebevoll um ihn. Der leitende Psychiater berichtet seinem Vorgänger brieflich über seine Diagnosen und Beobachtungen. Briefe von Zeitungslesern, die den stummen Pianisten nach dem veröffentlichten Foto früher gekannt haben wollen, werden in den Handlungsverlauf eingeschoben. Die Blockaden der Patienten im Haus werden teilweise von der Musik des Pianisten, die eigenartige Wirkungen zeigt, aufgebrochen. Vor allem für den alten jüdischen Insassen Rosenthal, der während des Krieges Furchtbares in KZ-Lagern mitmachen musste, spielt die Pianomusik eine sehr aufwühlende Rolle und treibt ihn in den Tod ... Der stumme Pianist aber ist plötzlich wieder entschwunden, und keiner weiß wohin und wer er war. - Eine Erzählung, die sehr anrührend, lebendig und spannend von der Wirkkraft der Musik berichtet und dabei unsere heutige verwirrte und grausame Zeit im Blick behält. Nachdrücklich empfohlen. (Übers.: Michael von Killisch-Horn)

Georg Bergmeier

Georg Bergmeier

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Der stumme Pianist

Der stumme Pianist

Paola Capriolo
C. Bertelsmann (2011)

Edition Elke Heidenreich
206 S.
fest geb.

MedienNr.: 349653
ISBN 978-3-570-58016-5
9783570580165
ca. 19,99 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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