Dolfi und Marilyn
In der erschreckend präzise und psychologisch überzeugend skizzierten sozialen Dystopie des unter Pseudonym schreibenden "etablierten französischen Schriftstellers" (Klappentext) ist das Klonen von Menschen nicht nur üblich, sondern zu einem bedeutenden
Industriezweig geworden. Staatlich zertifizierte Laboratorien produzieren - streng kontrolliert - aus dem Erbgut Verstorbener ihrer eigenen Menschlichkeit beraubte Homunculi. Wissenschaftliche Machbarkeit, aber auch persönliche Interessen sorgen dafür, dass eine Klasse von "Untermenschen" in der Mitte des 21. Jh. im Entstehen begriffen ist. Der auf die Geschichte des Dritten Reichs spezialisierte Historiker Tycho Mercier gelangt gegen seinen Willen ausgerechnet in den Besitz des letzten verbotenen Klons von Hitler. Aus beruflichem Interesse, aber vor allem aus Mitleid behält er den völlig harmlosen A.H.6, der von seinem historischen Vorläufer nichts weiß. Zufällig gerät Mercier auch in den Besitz einer Kopie seines Jugendidols Marilyn Monroe, die sich ihm, dem von seiner Frau Verlassenen, ganz selbstverständlich als Liebesobjekt anbietet. Aus dieser Grundkonstellation entwickelt der Autor eine bei aller Phantastik erschreckend realitätsnahe und folgerichtige dramatische Handlung, an deren Endpunkt ein verbohrter milliardenschwerer Altnazi unter Missbrauch des Hitler-Klons die Keimzelle eines neuen Dritten Reichs etablieren will. - Ein straff erzähltes, zum Nachdenken anregendes und hoch spannendes Gedankenexperiment, das unserer postmodernen, um verlässliche Werte ringenden Zivilisation den Spiegel vorhält! (Übers.: Olaf Roth)
Dolfi und Marilyn
François Saintonge
Carl's Books (2014)
286 S.
kt.