Ein Diktator zum Dessert
Noch im hohen Alter von 105 Jahren betreibt Rose ein Restaurant in Marseille und schreibt ihre Memoiren. Sie hat das Rezept für das Glück gefunden: Liebe, Lachen und Rache. Im Rückblick auf ihr Leben erinnert sie sich an wunderschöne Tage, die
einfach ineinander laufen, an Jahre, die fröhlich dahinplätschern. Doch viele dieser Art waren ihr nicht vergönnt: Ihre Familie fiel dem Völkermord der Armenier zum Opfer, ihr erster Mann und ihre Kinder wurden als Juden deportiert, ihr dritter Mann durch Maos Schergen ermordet. Ungewollt ließ Rose Himmlers Verehrung über sich ergehen, kochte für Hitler, pflegte aber auch Umgang mit Sartre und Beauvoir, führte Restaurants in Paris, New York und Marseille. Jedes Mal bewältigte sie die Schicksalsschläge, in dem sie blutige Rache nahm. Das machte es ihr möglich, sich wieder in die nächste Liebesaffäre zu stürzen, egal, ob mit Mann oder Frau, sie genoss und genießt das Leben in vollen Zügen. - Dieses Buch wurde in Frankreich hoch gelobt und wird vom Verlag als Spitzentitel angepriesen. Die Werbung "politisch unkorrekt, humorvoll und geistreich" trifft den Nagel auf den Kopf. Obwohl Rose "Rache" statt "Vergebung" predigt, ist das Augenzwinkern des Autors beim Schreiben nicht zu übersehen. Ein verrücktes Buch, das bestimmt auch in Deutschland viele Leser/innen begeistern wird. (Übers.: Karin Segerer)
Tina Schröder
rezensiert für den Borromäusverein.
Ein Diktator zum Dessert
Franz-Olivier Giesbert
Carl's books (2015)
334 S.
kt.