Der Glöckner von Notre Dame
Die Charaktere der Geschichte könnten gegensätzlicher nicht sein. Da ist der missgestaltete Quasimodo, der von dem strengen Mönch Frollo aus Mitleid aufgenommen wurde. Frollos Eltern starben an der Pest und seitdem kümmerte er sich um seinen kleinen,
leichtlebigen Bruder, nun auch um das wegen seiner Hässlichkeit verstoßene Baby. Und da ist die schöne Zigeunerin Esmeralda, die mit Tanz ihr Geld verdient. Frollo verliebt sich so heftig in Esmeralda, dass er alle seine Werte vergisst und in wilder Raserei deren Geliebten ersticht. Auch Quasimodo ist von der Schönheit der Frau betört, weiß aber um sein abstoßendes Äußeres und nähert sich ihr nur in selbstloser Liebe, als er sie vor Verfolgern in der Kirche in Sicherheit bringt und dort versorgt. Esmeralda ihrerseits hat sich in den Hauptmann Phoebus verliebt. Der ist zwar äußerlich höchst attraktiv, aber innerlich ein hässlicher Egoist. Das Ende ist tragisch. Der erfolgreiche Roman von Victor Hugo wurde hier in die Sprache der Graphic Novel übersetzt. Damit sollen schon Kinder ab 10 Jahren an die Werke der Weltliteratur herangeführt werden, allerdings nur an den Plot. Die Besonderheiten der Sprache des Autors, die Charakterisierung der Protagonisten und deren Gefühle mit Worten bleiben auf der Strecke. Weder Text noch Illustrationen sind dazu geeignet, etwas von dem literarischen Wert zu vermitteln. Es bleibt eine eher triviale Geschichte, die hoffentlich Lust darauf macht, das Original zu lesen. Kann überall als Graphic Novel ohne hohen Anspruch eingestellt werden.
Lotte Schüler
rezensiert für den Borromäusverein.
Der Glöckner von Notre Dame
Victor Hugo. Text: Claude Carré. Zeichn.: Jean-Marie Michaud
Brockhaus (2012)
Brockhaus Literaturcomics
57 S. : überw. Ill. (überw. farb.)
fest geb.
Borromäus-Altersempfehlung: ab 10