Beseeltes Alter
Menschen werden oft an dem gemessen, was sie können statt an dem, was sie sind. Aber können wir dem Altern zustimmen, wenn die Einschränkungen zunehmen? Altern, meint der evangelische Theologe Gerhard Sauter, sei nicht zu erlernen, es müsse erfahren
und erkundet werden. Anhand unzähliger Bibelzitate und anderer Quellen thematisiert er ausführlich ‚Seele‘ in ihrer Bedeutungsvielfalt. Altern sei Rückblick auf gelebtes Leben, sagt er. Abschiede häuften sich, Vertrautes entglitte, der Tod rücke in den Blick, es würde aber auch Ballast abgeworfen. Den Beschwerlichkeiten des Alterns habe Theologie keinen Ausgleich anzubieten, meint Sauter und verweist auf die Güte, Treue und Gerechtigkeit Gottes. Sauters distanzierter, theologischer Blick enthält sicher inspirierende Momente, ein Ratgeber ist es aber nicht. Es bleibt von einer Meta-Ebene aus sachlich. Gefühle kommen nicht vor, auch wenn er Vereinsamung, Bedürftigkeit und Wünsche nach Selbstwirksamkeit benennt. Altern, meint er, könne zur Quelle der Einsicht werden. Seine komplexen und komplizierten Betrachtungen sind keine leicht lesbare Lektüre. Sie setzen Theologie-Erfahrungen oder zumindest entsprechendes Interesse des Lesers voraus. Ab mittleren Beständen für theologisch interessierte Lesende.
Christiane Raeder
rezensiert für den Borromäusverein.
Beseeltes Alter
Gerhard Sauter
Gütersloher Verlagshaus (2021)
191 Seiten
fest geb.