Selbst glauben!
Wie kann christlicher Glaube heute noch ein Kompass sein? Für den evangelischen Theologen, früheren Pfarrer und EKD-Repräsentanten Horst Gorski (*1957) ist klar: Die Bibel bietet keine einfachen Handlungsanleitungen für heute. Jede Epoche hat sie
aus ihrem je eigenen Blickwinkel interpretiert. Er ermuntert ausdrücklich dazu, dies sowohl gemeinsam als auch ganz persönlich ebenso zu tun. Grundlegend ist für ihn die "Widerständigkeit" der Bibel, die immer den Status quo in Frage stellt. Kirche könnte einen Rahmen zur Ermöglichung von Erfahrungsaustausch, (Streit-)Gespräch und Verständigung bieten. Zur christlichen Lebenskunst gehört für Gorski zu akzeptieren, dass das Reich Gottes nicht von Menschen verwirklicht werden kann, und doch daran mitzuarbeiten. Und in diesem von der Liebe geleiteten Denken und Tun auf Gott zuzugehen, der sich mit dem Menschen verbinden will, wie das in der Person Jesu bereits verwirklicht worden ist. Der Autor beleuchtet aber auch ganz konkret zahlreiche umstrittene gesellschaftspolitische Themen in ihren vielfältigen Aspekten und im Hinblick auf mögliche oder vermeintliche biblische Orientierung. Ab mittleren Beständen auf jeden Fall empfehlenswert.
Monika Graf
rezensiert für den Borromäusverein.
Selbst glauben!
Horst Gorski
Gütersloher Verlagshaus (2025)
367 Seiten
fest geb.