Kirche, Macht und Geld

In der hitzig geführten Debatte um die Kirchensteuer und die Macht der Kirchen in einer pluralen Gesellschaft fällt das Buch von Drobinski positiv auf. Es beschreibt sachlich den historischen Weg zum deutschen Kirchensteuersystem und zu den Staatsleistungen Kirche, Macht und Geld und verschweigt dabei nicht, dass neben der Kirche auch der Staat, die Kirchenmitglieder und die Gesellschaft als ganze Vorteile daraus ziehen. Drobinski macht zu Recht auch auf Widersprüche aufmerksam zwischen der Zugehörigkeit zu einer Anstalt des öffentlichen Rechts und einer sakramental begründeten, bekenntnismäßigen Kirchenmitgliedschaft sowie auf die Gefahr der Abhängigkeit, in die die Kirche durch ihre Kooperation mit dem Staat geraten kann. Differenziert sind auch die Einlassungen zum Thema "reiche Kirche" sowie zum Tarifrecht kirchlicher Einrichtungen. Zu wenig Verständnis bringt er indes für die Verpflichtung kirchlicher Mitarbeiter zu einem Leben nach der kirchlichen Morallehre auf - dies übrigens im Widerspruch zu seiner Forderung, die Kirchen sollten sich selbst nicht nur als Institutionen begreifen. Sein Ruf nach einem "kreativen Umgang" mit Kirchenvermögen, nach einem "fröhlichen Verarmen" aufgrund geringer werdender Kirchensteuereinnahmen braucht doch erst recht das glaubwürdige Lebenszeugnis der Christen, wenn die Kirchen ein Sauerteig in der zunehmend nachchristlichen Gesellschaft bleiben wollen. - Zur Information über das oft unsachlich diskutierte Thema breit empfohlen.

Richard Niedermeier

Richard Niedermeier

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Kirche, Macht und Geld

Kirche, Macht und Geld

Matthias Drobinski
Gütersloher Verl.-Haus (2013)

254 S.
fest geb.

MedienNr.: 576163
ISBN 978-3-579-06595-3
9783579065953
ca. 19,99 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Re
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