Väterlos

Der evangelische Theologe und Erziehungswissenschaftler (vgl. "Der Männerversteher": BP 11/35) plädiert für die Etablierung einer neuen "Väterlichkeit". Nicht allein die "Abwesenheit" vieler Väter im Erziehungsalltag ist das Problem, sondern viel Väterlos mehr noch das Vorherrschen eines falsch verstandenen Väterlichkeitsmodells. Eine fürsorglich-gewährende Haltung, die er idealtypisch überspitzt ausschließlich der Mutterrolle zuordnet, ist zunehmend zum Leitbild der "neuen Väter" und zum gesamtgesellschaftlichen Paradigma bei der Behandlung von Konflikten geworden. Dies zeitige erhebliche negative Konsequenzen für die einzelne Familie wie für die gesamte Gesellschaft. So sei z.B. die Finanzkrise ein markantes Beispiel für eine "mütterliche" d.h. harmoniesüchtige Laisser-faire-Politik. Ohne recht verstandene Väterlichkeit wird Politik prinzipienlos und die Gesellschaft verliert auf Dauer Halt und Stabilität. Paradoxerweise fordert man vom idealen Vater theoretisch eine fordernde, strukturierte und prinzipienorientierte Haltung, die notfalls auch Konfrontationen nicht scheut. Falls diese aber konkret praktiziert wird, diffamiert man sie als "Schwarze Pädagogik" bzw. als autoritäres Machoverhalten. Hier gilt es nach Meinung des Autors einen Paradigmenwechsel herbeizuführen, der der Mütterlichkeit selbstbewusst ein eigenständiges und ebenbürtiges Modell von Väterlichkeit entgegensetzt. - Die interessante, dem Mainstream derzeit noch deutlich zuwiderlaufende Analyse des Autors dürfte freilich nicht nur auf Verständnis stoßen. Als Denkanstoß sind die vielfach aus praktischen Erfahrungen abgeleiteten Thesen des Autors aber auf alle Fälle zu empfehlen.

Väterlos

Väterlos

Matthias Stiehler
Gütersloher Verl.-Haus (2012)

192 S.
fest geb.

MedienNr.: 572803
ISBN 978-3-579-06657-8
9783579066578
ca. 19,99 € Preis ohne Gewähr
Systematik: So, Ps, Fa
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