René Schnitzler - Zockerliga
Als die illegalen Machenschaften des Bundesliga-Schiedsrichters Robert Hoyzer aufgedeckt wurden, erfuhr eine breite Öffentlichkeit, dass es hinter den Kulissen des Fußballs Schiebereien gab, die dazu dienten, einer Wettmafia zu großen Gewinnen zu
verhelfen. Dies ist aber nicht allein Thema dieses Buches. Den Autoren geht es auch darum, am Beispiel des hoffnungsvollen jungen Bundesligaspielers René Schnitzler aufzuzeigen, dass ein nicht unerheblicher Prozentsatz der Profifußballer der Spielsucht verfallen ist. Vom Casino über Pokerrunden bis hin zu heimlichen "Zockerhöhlen" reicht die Bandbreite der Einrichtungen, wo man sich mit dem Einsatz von immer mehr Geld zu Adrenalin-Ausschüttungen verhelfen will. Man kann es kaum glauben, wenn man erfährt, dass der DFB ins Quartier der Nationalmannschaft bei der EM 2008 und bei der WM 2010 Pokertische stellen ließ. Dass da "natürlich" nicht um Geld, sondern um Chips gespielt wurde, wie der Manager Oliver Bierhoff beteuert, muss man so hinnehmen, auch wenn es Aussagen gibt, die dem entgegenstehen. Dies alles sind Erscheinungen aus dem Umfeld des René Schnitzler, der als Mittelstürmer bei Borussia Mönchengladbach, Bayer Leverkusen und FC St. Pauli gespielt hat. Heute dient er der Staatsanwaltschaft Bochum als Kronzeuge für ihre Ermittlungen. - Das Buch ist spannend zu lesen, die psychologischen Hintergründe sind leicht nachvollziehbar. Leser, die sich zu den Fußballfans zählen, aber nicht nur die, werden bei der Lektüre dieses Buches aus dem Kopfschütteln kaum herauskommen.
Gerd Fleder
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
René Schnitzler - Zockerliga
Wigbert Löer ; Rainer Schäfer
Güterloher Verl.-Haus (2011)
208 S. : Ill.
kt.