Von Fesseln befreit
40 Jahre lang gehörte Lenzen einem katholischen Orden an. In dessen Auftrag war sie Leiterin eines Missionskrankenhauses in Tansania, Provinzialobere in Simbabwe und Aids-Koordinatorin am Kilimandscharo, bis sie sich auf Druck aus Rom dazu gezwungen
sah, aus dem Orden auszutreten. Nachdem sie Kondome an Prostituierte in Tansania verteilt hatte, gab es, laut ihrer Oberin, "keine Verwendung mehr" für sie (S. 11). In diesem Buch erzählt Lenzen von ihrem mühsamen Weg ins zivile Leben, in dem sie mit 57 Jahren nicht nur die Geringschätzung ihrer Mitschwestern ertragen, sondern auch erfahren muss, dass die Kirche für ihre unentgeltlich geleistete langjährige Arbeit im Orden gerade mal die Mindestrente eingezahlt hat, von der sie kaum leben kann. Die nach wie vor tiefgläubige Frau prangert die katholische Kirche an, die immer noch die Arbeit von Frauen niedriger einstufe als die der Männer - und in der eine nach ihrem Gewissen handelnde Nonne den Orden verlassen müsse, während die Verschwendungssucht eines Tebartz-van Elsts als Kavaliersdelikt nahezu ungeahndet bleibe. - Ein sehr persönlich gehaltenes Buch über die Rückkehr von Majella Lenzen ins zivile Leben - und die Schwierigkeiten, die sie dabei überwinden musste. Für Leser/innen und Büchereien, die auch kritische Stimmen zu Wort kommen lassen möchten.
Adelgundis Hovestadt
rezensiert für den Borromäusverein.
Von Fesseln befreit
Majella Lenzen
Gütersloher Verl.-Haus (2015)
190 S. : Ill.
fest geb.