Patmos
Der Theologe Aidan findet sich unvermittelt aus den heutigen USA auf die Insel Patmos zum greisen Apostel Johannes versetzt (hier gleichgesetzt mit den Verfassern der Offenbarung, des Evangeliums und der Briefe). Tragendes Element des Romans sind die
Gespräche über das Wesen des dreieinigen Gottes und die Bedeutung der Menschwerdung Christi anhand biblischer und frühkirchlicher Quellen. Ihre unterschiedlichen Erfahrungshorizonte überbrücken die beiden Männer mit Humor. Allgegenwärtig ist das Wirken des Heiligen Geistes (teilweise etwas klischeehaft inszeniert), und Aidan findet schließlich innere Heilung. Dem Glauben an das Getrenntsein, der sich vor allem in der Westkirche durchgesetzt habe und unter dem Aidan lange gelitten hat, wird die Gewissheit des uneingeschränkten Angenommen- und Einsseins in Christus gegenübergestellt. Geprägt von griechisch-orthodoxen Auffassungen und der Wort-Gottes-Theologie von Karl Barth kann das Buch gerade auch in katholischen Büchereien Anregung sein, sich einzulassen auf die Dreifaltigkeit als "das zentrale Geheimnis des christlichen Glaubens und Lebens" (Katechismus, Nr. 261). Für religiös Interessierte gerne empfohlen.
Monika Graf
rezensiert für den Borromäusverein.
Patmos
C. Baxter Kruger
Gütersloher Verl.-Haus (2017)
285 S.
fest geb.