Krähenschrei
Enzo, 17, ist in Inga verknallt - so harmlos, fast verspielt-jungendlich beginnt der Roman. Als Inga nicht zum gemeinsamen Lauftraining kommt, beginnt ein Drama, das zunehmend an Tempo, atemloser Spannung und Härte gewinnt. Das Buch handelt von Freundschaft
und Verrat, sexuellem Missbrauch, einer brutalen Mädchengang, Erpressung und Mord. Die Handlung ist puzzleartig aus den Gedanken und Beobachtungen verschiedener Beteiligter montiert, zudem zeitlich versetzt. Alle Perspektiven kommen zu Wort. Auf diese Weise erschließen sich Zusammenhänge und Hintergründe erst nach und nach, immer wieder ergeben sich neue Sichtweisen und Verwicklungen, ständig muss der Leser seine Einschätzungen revidieren. Verschiedene, der Situation und den Personen angepasste Sprachstile, vervollständigen den formal komplexen und inhaltlich packenden Roman über Jugendliche und für Erwachsene. - Unbedingt empfohlen, nicht aber für zarte Gemüter.
Birgit Karnbach
rezensiert für den Borromäusverein.
Krähenschrei
Torsten N. Siche
Fischer (2011)
238 S.
kt.