Richter
Richter Surra wird im Jahr 1870 aus Piemont nach Sizilien versetzt, wo er die Rechtsprechung des vereinigten Italien durchsetzen soll. Die örtlichen Granden wollen ihn sogleich auf ihre Seite ziehen. Doch der korrekte und auch naive Surra bemerkt
die subtilen Drohungen und Einflüsterungen nicht; Anschläge auf sein Leben nimmt er nur als unglückliche Zufälle war. So wird ihm von der Bevölkerung großer Mut zugeschrieben und er wird zum Helden. - Eine junge Staatsanwältin in Bologna kommt 1980 Kreisen in die Quere, die den Staat destabilisieren wollen. Nicht nur Extremisten wie die "Brigate rosse", sondern auch Geheimdienste und korrupte Politiker fühlen sich von aufrechten Beamten bedroht. Die Staatsanwältin wird angeschossen und nur mithilfe ihres Leibwächters überlebt sie im Untergrund, von wo aus sie die Gegner mit ihren eigenen Waffen schlägt. - In der fiktiven Stadt Novere geraten der aufrechte Staatsanwalt und der durchtriebene, gerissene, korrupte Bürgermeister regelmäßig aneinander. Dem Staatsanwalt gelingt es aber nie, dem Bürgermeister irgendwelche verbrecherischen Aktivitäten nachzuweisen. Zu fest sind die Netze der Korruption und Abhängigkeiten gespannt. - Camilleri, bekannt durch seine Montalbano-Krimis, hat seine Geschichte - natürlich - in Sizilien angesiedelt und in seiner ironisch-komischen Manier dargestellt. Lucarelli erzählt die Geschichte der jungen Staatsanwältin in Bologna. De Cataldo zielt in seiner Erzählung auf die vielartigen Verflechtungen von Politik und Verbrechen ab, die zum größten Teil nicht aufgeklärt werden. Die Autoren kritisieren das Land, auch das Italien von heute mit den unerfreulichen Aspekten der Gesellschaft, ausgesprochen herb. Trotz aller Bitternis lesen sich die kurzweiligen Geschichten aber durchaus vergnüglich. Überall bestens empfohlen. (Übers.: Hinrich Schmidt-Henkel)
Erwin Wieser
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Richter
Andrea Camilleri ; Carlo Lucarelli ; Giancarlo De Cataldo
Klett-Cotta (2013)
172 S.
fest geb.