Abenteurer der Ferne
Der in Bielefeld lehrende Althistoriker Raimund Schulz holt weit aus. Er folgt den Spuren antiker Seefahrer über den Mittelmeerraum hinaus. Von den Berichten nicht nur der antiken Autoren, sondern auch von mythischen Überlieferungen und epischen
Dichtungen ausgehend legt er dar, dass für Entdeckungsfahrten nicht nur militärische Interessen oder Mangel an Nahrungsmitteln ausschlaggebend waren, sondern auch die Faszination magischer Ferne sowie wirtschaftliche Interessen von Schiffseignern, Handelsherren und Bankiers. So sei eine "beinahe globale Handelszirkulation" entstanden. Das habe zu einer gewaltigen Horizonterweiterung geführt. Der Autor zieht für seine Forschungen nicht nur so bekannte antike Schriftsteller heran wie die Griechen Hekataios, Herodot und Poseidonios oder von den Römern Caesar und Plinius den Älteren. Er nutzt auch indische, chinesische und arabische Quellen. So wird glaubhaft gemacht, dass in der klassischen Antike auch Kenntnisse über Indien, China und Sibirien vorhanden waren. Schulz stellt auch Zusammenhänge her zwischen dem Wissen der Antike und dem Zeitalter der Entdeckungen im Spätmittelalter und der frühen Neuzeit. - Eine anregende Lektüre für Freunde der Alten Geschichte und von Berichten über Forschungsreisen. Wegen des großen Umfangs kommt eine Anschaffung wohl nur für ausgebaute Bestände infrage.
Hans Niedermayer
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Abenteurer der Ferne
Raimund Schulz
Klett-Cotta (2016)
654 S. : Kt.
fest geb.