Ich, die ich Männer nicht kannte

Ein kleines Mädchen wurde zusammen mit 39 Frauen betäubt und in einen unterirdischen Käfig gesperrt, doch weiß keine von ihnen, weshalb. Außer ein paar Metern Stoff, Seife und zweimal täglich Lebensmitteln erhalten die Frauen nichts von ihren Ich, die ich Männer nicht kannte sechs schweigsamen Wächtern, die höchstens mit Peitschenknallen auf Regelbrüche reagieren. In diesem Gefängnis wächst das Mädchen, die namenlose Protagonistin auf, die von den Frauen nur „die Kleine“ genannt wird. In einer Rückblende erzählt die inzwischen altgewordene Protagonistin von ihrer Kindheit und Jugend in dem Verlies. Zwar brennt dort den ganzen Tag elektrisches Licht, doch haben die Frauen jegliches Zeitgefühl verloren und sind den Blicken der Wächter und ihrer Mitinsassinnen dauerhaft ausgesetzt. Berührungen untereinander und Gefühlsausbrüche sowie jeglicher Widerstand sind verboten; dennoch gelingt es dem Mädchen inmitten der trostlosen Atmosphäre, eine eigene Welt in ihrem Inneren aufzubauen. Dabei stellt sie sich vor, ein junger Wächter sei in sie verliebt. So schafft es die Heranwachsende, ihre fehlenden Erinnerungen an die Zeit vor ihrer Gefangenschaft zu kompensieren und ihre Menschlichkeit zu bewahren. Doch eines Tages ertönt ein Alarm und alles ändert sich schlagartig ... – Ein packender, aufwühlender Roman, der unter die Haut geht. Sehr zu empfehlen.

Clara Braun

Clara Braun

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Ich, die ich Männer nicht kannte

Ich, die ich Männer nicht kannte

Jacqueline Harpman ; aus dem Französischen von Luca Homburg
Klett-Cotta (2026)

214 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 625001
ISBN 978-3-608-96670-1
9783608966701
ca. 24,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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