Musik für einen Soldaten
Ein Schriftsteller, der Soldat geworden ist, und das gleich zweimal: Der ukrainische Autor Artem Tschech setzt sich in dem autofiktionalen Buch „Musik für einen Soldaten“ mit den eigenen Kriegserfahrungen und denen seines von Russland angegriffenen
Landes auseinander. Bereits 2015/16 war Tschech im Militäreinsatz im Donbass; im Februar 2022 meldet er sich freiwillig in den Dienst an der Front. Dabei greift er einerseits zu dokumentarischen literarischen Mitteln, berichtet ungeschönt über die Frontrealität mit Nachtwachen in Schützengräbern, Drohneneinsätzen und der überreizten Kakofonie aus Schüssen, Salven und Sirenen, der er die Musik von Lana Del Ray oder Annie Lennox entgegensetzt. Andererseits geht er auf Abstand und befragt eindringlich und unnachgiebig sich selbst: die eigene Bereitschaft zu sterben und die Weigerung, den Tod von Kindern, Frauen und Zivilisten hinzunehmen. Er reflektiert die Kreativität, die Entstehungsbedingungen und die Machart von Kunst und Literatur in Zeiten des Krieges und bekennt sich zu einer Sehnsucht nach dem Schreiben: „nicht über den Krieg, sondern über die Liebe und das Reisen.“ Ein wichtiger und starker Text.
Slávka Rude-Porubská
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Musik für einen Soldaten
Artem Tschech ; aus dem Ukrainischen von Alexander Kratochvil und [einer weiteren]
Klett-Cotta (2026)
186 Seiten
fest geb.