Unglück auf Rezept
Das Autorenehepaar, ein langjährig in der Hirnforschung tätiger Mediziner und eine Heilpraktikerin, plädiert für einen vorsichtigen und gründlich abgewogenen Einsatz von Antidepressiva. Nach ihren Erfahrungen werden diese Medikamente viel zu oft
und zu leichtfertig nach kurzer bzw. kaum vorgenommener Anamnese eingesetzt. Dabei erläutern sie fundiert die Entstehungsgeschichte, Zusammensetzung und Wirkungsweise der einzelnen Präparate und durchleuchten die Rolle der Pharmakonzerne in der Entwicklung und der Vermarktung von Antidepressiva. Auch die Veränderungen in der Sichtweise und Behandlung von Depressionen von der Antike bis heute beleuchten sie, um dadurch herauszuarbeiten, dass hier erfolgreich ein neuer Markt geschaffen wurde. Zum Abschluss werden verschiedene irrige Annahmen über Antidepressiva aufgeklärt und alternative Behandlungsmöglichkeiten aufgezeigt. Untermauert wird die Abhandlung durch zahlreiche Beispiele aus der Praxis. - Das gut lesbare Sachbuch stimmt nachdenklich und wirft zahlreiche Fragen auf. Die kritische Einstellung der Autoren sensibilisiert dafür, genauere Diagnosen durchzuführen und einzufordern und das Abhängigkeitspotential aller Antidepressiva auf keinen Fall zu unterschätzen. Sehr gut geeignet für betroffene Patienten, deren Angehörige und auch für alle Fachleute, um eine andere Sichtweise kennenzulernen. Ab mittleren Beständen.
Dorothee Rensen
rezensiert für den Borromäusverein.
Unglück auf Rezept
Peter und Sabine Ansari
Klett-Cotta (2016)
300 S. : graph. Darst.
kt.