Söhne der Freiheit
Es ist eine rar gewordene Fertigkeit, Geschichte mittels Geschichten erlebbar zu machen. Dem ZEIT-Journalisten und Autor Johannes Ehrmann ist das Kunststück bravourös gelungen. Er verwebt eine ganze Reihe von Protagonisten aus drei Generationen der
deutschen Auswandererfamilie Mühlenberg mit dem Unabhängigkeitskrieg der Vereinigten Staaten von Amerika. Gut 80 Jahre lang, von den 1740er bis in die 1820er Jahre, begleitet der Leser seine Figuren, allesamt existente und historisch greifbare Persönlichkeiten. Über einhundert verwendete Monographien und Primärquellen sind im Literaturverzeichnis gelistet. Ehrmann erzählt mit Sympathie für die Figuren und wahrt zugleich professionelle Distanz. Er versteht die Eigenheiten der Epoche, die Zwänge wie die Möglichkeiten. Manches aus den Quellen ist sicherlich interpretiert, hier und da auch spekuliert, aber nie ohne Bodenhaftung. Selten werden einem Menschen dieser Zeit so nah, so vertraut. Dramatik, Schwung und Intimität des Erzählstils erinnern an die Literaturversion einer Blockbuster-Serie. Quasi nebenbei erfährt der Leser viel über die bedeutende Rolle deutscher Einwanderer bei der Geburt der USA. Sage noch einer, Deutsche könnten nicht erfolgreich revoltieren. Auch als Ergänzung der Literatur zum Jahr 1848 interessant. - Jedem Bestand auf Wärmste empfohlen.
Werner Wagner
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Söhne der Freiheit
Johannes Ehrmann
Klett-Cotta (2023)
320 Seiten : Illustrationen
fest geb.