Hey guten Morgen, wie geht es dir?
Der Titel von Martina Hefters Roman ist ein Bruchstück aus einer Chat-Konversation, die eine der beiden Handlungsstränge des Buches ausmacht: Juno Isabella Flock, eine in Leipzig lebende Tänzerin, verkürzt sich ihre schlaflosen Nächte durch eine
WhatsApp-Unterhaltung mit Benu, einem vermeintlichen Lovescammer aus Nigeria. Sie glaubt, sein betrügerisches Spiel durchschaut zu haben, und tischt ihm nun ihrerseits eine Version ihres Lebens auf, die nicht viel mit dem realen Alltag zu tun hat. Letzterer ist hauptsächlich durch die schwere Krankheit (man darf vermuten, dass es sich um Multiple Sklerose handelt) ihres Mannes Jupiter geprägt. – Martina Hefter hat in den letzten Jahren nicht nur als Autorin von Romanen auf sich aufmerksam gemacht, sondern auch als Verfasserin von Lyrik. Beide Komponenten sind auch in ihrem jüngsten Werk vertreten. Wobei der Alltag mit Jupiter der eher prosaische Bestandteil ist, während der Dialog mit Benu eindeutig lyrische Elemente aufweist – bereits erkennbar an der Typografie, die den Chatverlauf wie Gedichte setzt. Geeignet für alle, die sich für Geschichten interessieren, die ihre Wurzeln in einer niederdrückenden Realität haben, aber durch die Kontrastierung mit einer anderen Dimension über diese hinausgehoben werden. (Ausgezeichnet mit dem Deutschen Buchpreis 2024)
Antonie Magen
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Hey guten Morgen, wie geht es dir?
Martina Hefter
Klett-Cotta (2024)
222 Seiten
fest geb.