Bankster
Es geht in diesem aktuellen Roman des jungen isländischen Autors (geb. 1978) nicht, wie der Titel suggeriert, um die Machenschaften einer gewissenlosen Finanzelite, der "Bankster" eben. Man erfährt deshalb auch kaum etwas über die Hintergründe
des Finanzdesasters, welches 2008 die isländischen Banken und den Staat in den Ruin getrieben hat. Vielmehr steht in diesen tagebuchartigen Aufzeichnungen ausschließlich das private Schicksal eines Angestellten der isländischen "Landsbanki" und seiner Verlobten, die ebenfalls im Finanzsektor tätig ist, im Zentrum. Beide genießen unreflektiert und sorgenfrei ihr Leben; als sie aber ihren Arbeitsplatz verlieren, werden sie auch privat völlig aus der Bahn geworfen. Auch wenn beide zunächst noch keine ernsten finanziellen Schwierigkeiten haben, verfällt insbesondere der Ich-Erzähler zunehmend in Lethargie und Depression. Damit kann sich aber seine Verlobte nicht abfinden ("Mein Markús ist anscheinend eine Bank, die zusammengebrochen ist." (S. 203)) und letztlich geht beider Beziehung - offenbar v.a. gegründet auf beruflichen und materiellen Erfolg - in die Brüche. Beide sind also eher Opfer als Täter, ein durchaus interessanter Perspektivenwechsel! Die sprachlich unprätentiös und sehr persönlich gehaltenen Tagebuchaufzeichnungen lesen sich einigermaßen spannend und regen zum Nachdenken an, bleiben aber auch etwas eindimensional. (Übers.: Anika Lüders)
Bankster
Gudmundur Óskarsson
Frankfurter Verl.-Anst. (2011)
253 S.
fest geb.