Mr. Chartwell
Die junge Esther Hammerhans ist nach dem Selbstmord ihres Mannes einsam und von einer gewissen Schwermut geplagt. Als sie sich entschließt, Michaels Zimmer zu vermieten, kommt es zu einer sehr merkwürdigen Begegnung: ein Mr. Chartwell wird vorstellig,
um das Zimmer mieten; er ist allerdings ein Hund. Dieser große, schwarze, zottelige Hund, der widerlich riecht und sich ungehobelt benimmt, aber zu ihr spricht wie ein Mensch, verunsichert Esther und stößt sie ab, übt gleichzeitig aber auch eine große Faszination aus. Black Pat Chartwell drängt sich mehr und mehr in ihr Leben, und sie bringt es nicht fertig, auf Distanz zu gehen. Erst als sie Winston Churchill begegnet, der auch regelmäßig Besuch von Black Pat bekommt, begreift sie, dass er die Depression verkörpert, an der auch Michael gestorben ist und sie versteht die Zusammenhänge. Die Begegnung mit Mark, der sich in sie verliebt, wird für sie zur Rettung. - Eine sehr bewegende Geschichte, voller absurder Komik und psychologischer Klugheit, besonders in den Gesprächen von Black Pat mit Esther und Churchill. Der schwarze Hund, wie die Depression heute auch genannt wird (dieser Begriff geht zurück auf Winston Churchill), begegnet dem Leser hier als aufdringlicher und abstoßender, gleichzeitig aber auch hartnäckig lockender und verführerischer Geselle, dem kaum noch zu entkommen ist, wenn eine Schwelle der Distanz erstmal überschritten ist. Nur liebende Mitmenschen können die Rettung bedeuten. Überall sehr empfehlenswert, nicht nur der Aktualität des Themas wegen. (Übers.: Hans-Ulrich Möhring)
Ulrike Braeckevelt
rezensiert für den Borromäusverein.
Mr. Chartwell
Rebecca Hunt
Luchterhand (2012)
253 S.
fest geb.