Die Parallelklasse
Patrick Bauer wurde als Sohn linksalternativer Eltern 1983 in Berlin geboren, besuchte im "Problemkiez" Kreuzberg die Blücher-Grundschule, in der die Hälfte der Kinder Eltern mit nichtdeutschem Pass hatte, und wechselte dann aufs Gymnasium. Als er
nach Jahren unverhofft einen Freund aus Grundschulzeiten beim Dealen trifft, wächst in ihm der Wunsch zu erfahren, was aus seinen ehemaligen Klassenkameraden geworden ist. Er beschreibt seine Recherchen sehr detailliert und kommt zu dem deprimierenden Ergebnis, dass es neben wenigen Erfolgsgeschichten vor allem gescheiterte Biografien zu besichtigen gibt. "Multi-Kulti ist offenbar gescheitert, da muss man der Bundeskanzlerin sogar Recht geben." (S. 185) Die ethnische Trennung, die meist einhergeht mit einer sozialen Deklassierung, hat nach seiner Meinung sogar noch zugenommen. Sogar die erfolgreichen Nachfahren von türkischen Einwanderern wollen den Bezirk verlassen, sobald ihre Kinder zur Schule kommen. - Der Autor hat hier eine sehr subjektive, dennoch wohl aussagekräftige, ungeschönte und insgesamt eher resignativ-pessimistische Sozialreportage über einen Berliner Problembezirk vorgelegt, die weder Anspruch auf soziologische Fundierung erhebt noch irgendwelche Lösungsansätze bietet. Dass Patrick Bauer, der als Redakteur für die Trendzeitschrift "Neon" arbeitet, über einen flotten Stil verfügt, versteht sich von selbst.
Die Parallelklasse
Patrick Bauer
Luchterhand (2011)
187 S.
kt.