Sein Garten Eden

Benjamin Honey ist ein ehemaliger Sklave, der 1793 die Irin Patience heiratet und mit ihr und anderen, die sich am Rand der damaligen Gesellschaft befinden, auf Apple Island, einer Insel vor der Küste von Maine, siedelt. Ihren Namen hat die Insel Sein Garten Eden von der Leidenschaft Honeys für Apfelbäume, die er in großer Anzahl hier, in seinem Garten Eden, pflanzt. Mehr als ein Jahrhundert leben die Bewohner so abgeschieden, dass sie sich untereinander verheiraten und Kinder zeugen, die sich wiederum miteinander vermählen. Für die Inselbewohner, die von außen gesehen verwahrlost wirken, verarmt leben und regelmäßig von Hunger und Naturgewalten heimgesucht werden, scheint ihre Existenz normal zu sein. Erst als Matthew Diamond, ein pensionierter Lehrer, über die Sommermonate auf die Insel kommt, um die Kinder zu unterrichten und den Erwachsenen die Bibel näher zu bringen, beginnt sich etwas zu verändern. Die Behörden werden auf die Zustände dort aufmerksam. Die Frauenhilfe des Staates schickt Pakete und eine Kommission aus Beamten, Eugenikern und Ärzten untersucht die durch Inzest und Erbkrankheiten geprägten Menschen. Sie kommt zu dem Entschluss, die Bewohner von der Insel zu entfernen, sie voneinander zu trennen und in Fürsorgeeinrichtungen unterzubringen. Umgesetzt wird dieser Akt, der heute vom Staat Maine als unmenschlich bezeichnet wird, ab dem Jahr 1911. – Ein sich über einen langen Zeitraum erstreckender Roman, der von Menschen erzählt, die ums nackte Überleben kämpfen, in der Not einander zugewandt sind, aber dabei unwissentlich allen gesellschaftlichen Normen widersprechen. Empfehlenswert.

Josef Schnurrer

Josef Schnurrer

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Sein Garten Eden

Sein Garten Eden

Paul Harding ; Deutsch von Silvia Morawetz
Luchterhand (2024)

313 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 753777
ISBN 978-3-630-87378-7
9783630873787
ca. 24,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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