Kirschholz und alte Gefühle
Arjeta, Jahrgang 1972, verlässt zu Beginn des jugoslawischen Bürgerkriegs ihre belagerte Heimatstadt Zagreb, um ihren traumatischen Erlebnissen zu entfliehen. Mit einem Stipendium für ein Studium in Paris klammert sich die Entwurzelte an den ersten
Mann, der sich für sie interessiert. Doch der Kriegsberichterstatter Arik nutzte nicht nur ihre Situation, sondern auch die anderer aus Jugoslawien stammender heimatloser Frauen aus, indem er, wie Arjeta später erfährt, akribisch zu jeder Einzelnen von ihnen Fotoalben erstellte, um sie möglicherweise beruflich nutzen zu können. Erst, als Arjeta schon in Berlin lebt, stellt sie sich ihrer Vergangenheit. - Der Plot wird in der Ich-Form aus der Perspektive der Protagonistin erzählt. Bodrozic beschreibt eine Frau, die, traumatisiert und ihrer vertrauten Welt entrissen, verletzlich und schutzlos, ein leichtes Opfer für einen Mann wird. Ein Roman, der durch seine feinfühlige Beschreibung der Charaktere überzeugt und sachkenntnisreich schildert, wie ein Krieg die menschliche Seele verwüstet.
Adelgundis Hovestadt
rezensiert für den Borromäusverein.
Kirschholz und alte Gefühle
Marica Bodrozic
Luchterhand (2012)
219 S.
fest geb.