Achtzehn Hiebe
Eitan Einoch ist Mitte vierzig; er lebt und arbeitet seit Jahren in Tel Aviv als Taxifahrer. Eines Tages bekommt er den Auftrag, eine alte Dame täglich zum Friedhof zu fahren. Lotta Perl ist 85, charmant, gewitzt, humorvoll. Sie erzählt Eitan von
ihrer großen Liebe zu einem britischen Soldaten im Jahr 1946, als die Engländer noch das Palästinamandat innehatten. Lotta und ihre Freundin Ruti, die ebenfalls heimlich mit einem jungen Armeeangehörigen liiert war, genossen für kurze Zeit dieses besondere Leben. Eines Tages bemerkte Lotta, dass sich ihr Freund mit ihrer Freundin vergnügte. Lotta ließ aus Rache die Soldaten in eine Falle der Etzel, einer radikalen jüdischen Terrorgruppe, laufen; die beiden Soldaten wurden entführt und bekamen 18 Hiebe mit der Peitsche. Ein jüdischer Angehöriger der Untergrundarmee war kurz vorher ebenfalls mit 18 Hieben bestraft worden. Und nun nach so langer Zeit treffen alle vier wieder in Tel Aviv aufeinander. - Die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg bis zur Gründung des Staates Israel im Mai 1948 war gerade für die Juden schwierig. Sie bekämpften sowohl die Briten, die sie als Besatzer sahen, als auch die Araber. Der Autor thematisiert diese schwierige Episode nüchtern und ohne besondere Dramatik. Bei den Schilderungen der Fahrten Eitans durch dessen geliebte Stadt Tel Aviv, dem Erzählen der unterschiedlichsten Passagiere, bei der Selbstironie der Hauptperson, kommt immer wieder jüdischer Humor zutage. Ein Buch, das bedenkenlos jeder Bücherei empfohlen werden kann. (Übers.: Barbara Linner)
Erwin Wieser
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Achtzehn Hiebe
Assaf Gavron
Luchterhand (2018)
414 S.
fest geb.