Das Pfarrhaus
Mr Hilary Byrd, ein Bibliothekar aus Petts Wood, der nach seinem Burnout überstürzt und ohne Plan nach Indien aufbricht. Der verwitwete anglikanische Pfarrer, der ihm Unterschlupf gewährt, wofür sich Byrd mit Englischunterricht für die junge Haushälterin
Priscilla revanchiert. Jamshed, der Rikscha-Fahrer, der Byrd durch den inmitten von Teeplantagen liegenden Bergkurort kutschiert, und sein Neffe Ravi, der von einer Karriere als Country-Sänger träumt. Der abwesende Missionar Henry Page, der seine Rückkehr aus Kanada ankündigt, und eine wichtige Entscheidung gleich dazu. Ihre Lebenswege kreuzen sich im südindischen Hochland – mit welchen Folgen? In knapper, lakonisch-zurückhaltender Sprache baut die walisische Autorin Carys Davies in ihrem Roman eine subtile Spannung auf, in der die Mindsets unterschiedlicher Generationen, Zwänge der agilen Arbeitswelt, Wirkmächte und Traditionen kolonialer Vergangenheit sowie die unter dem Premierminister Narendra Modi schwelenden Konflikte zwischen ethnischen und religiösen Gruppen aufscheinen. Die Handlung ist bewusst reduziert und getragen vor allem von Andeutungen oder Mutmaßungen der Protagonisten. Was der Text meisterhaft zeigt: Wo über gegenseitige Erwartungen, Annahmen und Gefühle füreinander nicht gesprochen wird, entstehen kulturelle und sprachliche Missverständnisse und persönliche Enttäuschungen. Ein stilles, nachdenkliches Buch und eine breite Empfehlung!
Slávka Rude-Porubská
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Das Pfarrhaus
Carys Davies ; aus dem Englischen von Eva Bonné
Luchterhand (2026)
316 Seiten
fest geb.