Bis du wieder gehst
Schuld, Vergebung und die eigene Herkunft - diesen Themen widmet sich Peter Henning in seinem neuen, teils an seine eigene Biografie angelehnten Roman. Henry Kaplan wird ans Krankenbett seiner 60-jährigen Mutter gerufen, die ohne Bewusstsein auf der
Intensivstation liegt. Die Mutter-Sohn-Beziehung ist schwierig, da die alleinerziehende Mutter ihren damals vierjährigen Jungen verließ und er in einem Kinderheim aufwuchs. Er gibt sich sieben Tage, um in ihrer Nähe zu sein und sein Verhältnis zu ihr aufzuarbeiten. Ein folgenschweres Ereignis gegen Ende des Romans lässt ihn einen versöhnlichen Abschied nehmen. - Der Roman spielt hauptsächlich in der Gedankenwelt des Protagonisten. Während er in der Wohnung seiner Mutter verweilt, reflektiert er Szenen aus seiner Kindheit, dem harten Leben im Heim und seinen Beziehungen zu anderen Familienmitgliedern. Die Handlung beschränkt sich auf einzelne Treffen weiterer Weggefährten seiner Mutter, die neue Puzzlestücke ihrer Persönlichkeit ans Licht bringen. Der Roman richtet sich (auch sprachlich) eher an Menschen in der zweiten Lebenshälfte, denen Themen wie der Abschied von den eigenen Eltern und die biografische Aufarbeitung nahe sind.
Franziska Knogl
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Bis du wieder gehst
Peter Henning
Luchterhand (2022)
185 Seiten
fest geb.